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KI & Menschen
Wie kommt das ganze Team in den KI-Strudel?
In vielen Teams sind einige schon tief im Thema KI, andere trauen sich kaum, Fragen zu stellen. Wie bekommt man alle auf denselben Stand?
Andreas Boyer ·
Wer mit KI einmal richtig angefangen hat, kommt meist nicht mehr davon los, das Thema wird zum Selbstläufer. Die Hürde liegt davor, bei den Menschen: bei denen, die noch zögern oder glauben, ihre Arbeit verteidigen zu müssen. Über den Erfolg von KI im Team entscheidet deshalb weniger die Technik als die Frage, wie man auch sie mitnimmt.
Wann bist du in den Strudel geraten?
Heute habe ich mit einer Kollegin über KI gesprochen, über die Möglichkeiten und vor allem darüber, wie man die Menschen dabei mitnimmt. Im konkreten Fall gab es einige, die schon sehr weit und sehr tief im Thema sind, und andere, die noch Berührungsängste haben und sich nicht trauen, richtig loszulegen oder Fragen zu stellen. Die Überlegung war: Wie schafft man es, dass das Wissen im Team gleich verteilt ist?
Dabei fragte sie mich, wann bei mir der Punkt war, an dem ich in diesen Strudel geraten bin. Ihre These: Wenn man erst einmal hineingezogen wird, wird das Thema zum Selbstläufer. Vorher versucht man eher, ihm zu entkommen, oder man ist einfach noch nicht so richtig drin.
Das Gespräch hat mich zu der Frage geführt, wie man ein Team gleichmäßig auf denselben Wissensstand bringt und auch die mitnimmt, die noch zögern.
Ein Team, zwei Geschwindigkeiten
Wenn das Wissen im Team so ungleich verteilt ist, entsteht schnell ein Gefälle. Die einen bauen Abläufe um, die anderen arbeiten wie bisher und fühlen sich abgehängt. Wer sich nicht traut zu fragen, fällt weiter zurück. Und wer weit vorn ist, merkt oft gar nicht, wie groß der Abstand schon geworden ist.
Das ist kein Problem der Werkzeuge. Die sind für alle gleich verfügbar. Es ist eine Frage von Zutrauen, Zeit und Kultur.
Die Angst, sich überflüssig zu machen
Dahinter steckt oft ein Gedanke, der selten ausgesprochen wird: Wenn KI einen Teil meiner Arbeit übernimmt, braucht es mich dann noch? Also verteidigt man seine Arbeit, statt sie zu verändern.
Ich sehe das umgekehrt. Es lohnt sich, sich ganz bewusst überflüssig zu machen, und zwar bei der manuellen, sich wiederholenden Arbeit des Tages. Diese Monkey Work gilt es zu finden und zu automatisieren. Dann bleibt Zeit für das, was wirklich Mehrwert schafft.
Was ist Mehrwert, was nur Beschäftigung?
Diese Unterscheidung wird gerade sehr klar. KI zeigt ziemlich schonungslos, welche Aufgaben vor allem Beschäftigung waren und wo die eigentliche Leistung steckt: im Verstehen, im Entscheiden, in Ideen und im Kontakt mit Menschen.
Für Teams ist das eine gute Nachricht. Wer seine Routine abgibt, gibt nicht seinen Wert ab. Im Gegenteil, er wird sichtbarer.
Technik und Menschen gehören zusammen
Für mich bleibt es immer ein Spagat zwischen Technik und Menschen. So wie Kreativität und Automatisierung sich ergänzen sollten und nicht ersetzen, braucht jede Einführung von KI beides: die passenden Werkzeuge und Maßnahmen, die alle mitnehmen. Zum Beispiel:
- Routine sichtbar machen: Jede und jeder schreibt auf, welche Aufgaben sich täglich wiederholen. Das ist der beste Startpunkt, denn es geht um die eigene Arbeit und nicht um abstrakte Möglichkeiten.
- Fragen ausdrücklich erlauben: Ein fester Ort, an dem es keine dummen Fragen gibt, ob im Chat oder in einer kurzen Runde pro Woche.
- Wissen teilen statt horten: Die, die schon weit sind, zeigen konkrete Beispiele aus dem Agenturalltag, keine Showeffekte.
- Klein anfangen: Eine Aufgabe, ein Werkzeug, ein Erfolg. Danach zieht der Strudel von allein.
- Offen über Rollen sprechen: Was fällt weg, was kommt dazu, was bleibt? Unsicherheit wird kleiner, wenn sie ausgesprochen wird.
Fazit
KI ist eine sehr menschliche Sache. Die Technik ist schnell eingerichtet, das Mitnehmen braucht Zeit.
Ob KI im Team ankommt, entscheidet sich nicht an der Wahl des Tools, sondern daran, ob alle den Einstieg finden. Nehmt die Zögernden genauso ernst wie die Begeisterten, macht Routine sichtbar und gebt Raum für Fragen. Dann geraten nicht nur einzelne in den Strudel, sondern das ganze Team.